Fallbeispiel – Marc D., Schüler, Unfall mit 18 Jahren

Erst seit wenigen Wochen hat er das Motorrad, trotzdem hat Marc schon ein richtig gutes Gespür für die Maschine. Er fühlt sich gut,  er ist einer, der immer sehr viel Wert auf Sicherheit und Umsicht legt. Jetzt muss er an die Abiturprüfungen denken, die ihm in wenigen Wochen bevorstehen. Aber die Klausuren würden ihm keine Probleme bereiten, da hat er alles im Griff. Er denkt bereits weiter. Regelrecht sehsüchtig erwartet er den Beginn seines Physik-Studiums.

Als die Ampel auf Grün springt, fährt er los. Er ist schon mitten auf der Kreuzung, als er plötzlich das Auto von links … Der Aufprall ist heftig. Marc wird herumgeschleudert, verliert seinen Helm und erleidet mehrere Frakturen der Schädeldecke frontal und links. Drei Wochen liegt er im Koma. Ein schweres Schädelhirntrauma wird festgestellt.

Für acht Monate muss er in der Klinik bleiben. Er wird mehrfach operiert. Danach hat ein Auge nur noch wenig Sehkraft, ein Bein ist verkürzt. Vor allem aber ist sein Sprachzentrum stark betroffen. Buchstaben sind verschüttet, Begriffe hat er verloren, Sprache muss er völlig neu lernen. Sogar die Namen der Freunde hat er vergessen. Das bedeutet tägliches schmerzhaftes Üben. Schwimmen hat er vollständig verlernt. Fast ein Jahr lang ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Mühsam muss er wieder laufen lernen.

Frühzeitiges Handeln durch Anwalt und Versicherung

Der Anwalt ist aufmerksam. Frühzeitig spricht er den Schadenregulierer der Versicherung an. So kann InReha sich bereits drei Monate nach dem Unfall um alles Weitere kümmern. Zusammen mit den Angehörigen und den Ärzten und Therapeuten der Klinik, was Marc benötigt, wenn er nach Hause kommt. InReha bereitet alles für erste Wochenendbesuche in der Wohnung vor.

Schließlich geht es um Wohnraumanpassung und die therapeutische Weiterversorgung für die Zeit nach der Entlassung aus der Klinik. Vor der Entlassung nimmt InReha an einer großen abschließenden Fallkonferenz teil und nimmt alle Empfehlungen der Ärzte und Therapeuten  auf. Die Terminklärung für die ambulanten Therapien läuft ganz über InReha. Ebenso organisiert InReha kurze Zeit später eine logopädische Intensiv-Reha in einer Spezialeinrichtung in Lindlar bei Köln.

Ein Jahr nach dem Unfall kann Marc sehr einfache Sätze bilden. Aber sein Ziel ist weiterhin klar für ihn. Er will das Gymnasium schaffen und Physik studieren. Er stellt fest, dass seine Fortschritte nicht immer weiter anhalten und er in seiner Entwicklung stagniert. Die Situation macht ihn mächtig unzufrieden und er ist zunehmend unleidlich mit seiner Umgebung.

Etwa eineinhalb Jahre nach dem Unfall ist Marc zur Probe wieder an seinem alten Gymnasium. Trotz bestehender Bedenken hält Marc an seinem starken Wunsch fest, Abitur zu machen und Physik studieren. In begleitenden Gesprächen mit InReha zeigt Marc sich in keiner Weise offen dafür, über mögliche Alternativen nachzudenken, falls es mit dem Abitur nichts wird.

InReha organisiert eine Schul- und Alltagsassistenz und vereinbart „Nachteilsausgleiche“. Der Assistent fährt Marc zur Schule, begleitet ihn im Unterricht und fährt ihn bei Ermüdung nach Hause. Darüber hinaus bekocht er ihn, hilft ihm bei Hausaufgaben, macht mit ihm Entspannungsübungen

Etwa zwei Jahre nach dem Unfall wird Marcs Motivation zunehmend besser. Inzwischen kann er bereits wieder recht gut laufen und Fahrrad fahren. Auch Autofahren ist nach reichlich Übung und Fahrtestung wieder möglich. Marc entdeckt alte und neue Hobbies. Er spielt Gitarre, jongliert, spielt Billard. Zäh und schwerfällig läuft es in der Schule. Marcs Lernkurve ist niedrig, teilweise ist er überfordert und in seiner Konzentration gestört. Darüber hinaus treten vermehrt Schwierigkeiten im Kontakt mit seinen Mitschülern auf.

Rund zweieinhalb Jahre nach dem Unfall gelangt Marc, unterstützt durch reflektierende Gespräche mit seinem regionalen Ansprechpartner von InReha, zu der schmerzhaften Erkenntnis: er hat die Maßstäbe für sich zu hoch gesetzt. Er bricht den Versuch, das Abitur zu machen und studieren zu wollen, ab und verlässt die Schule.

Kein gerader Weg

Gemeinsam mit InReha entwickelt Marc die Idee, sich über betriebliche Erprobungen in Praktika ein neues berufliches Ziel zu suchen. Zunächst zieht es Marc in den Print- und Medienbereich. Allerdings hat er dort bald das Erlebnis von erheblichem Zeitdruck, Hektik und Stress. Danach entscheidet sich Marc für ein Physiklabor. Das hat schließlich relativ viel mit seinem ursprünglichen Berufswunsch zu tun. Aber auch dort erlebt Marc, dass er den Anforderungen nicht gewachsen ist. Die nächste Etappe führt ihn in den Logistikbereich der Deutschen Bahn. Auch das passt maximal mittelmäßig.

Zunehmend breiten sich in dieser Phase in Marc Selbstzweifel aus. Er findet keinen Anschluss beim Billard, die Gitarre verstaubt.

In einer krisenhaften Phase etwa drei Jahre nach Unfall organisiert InReha für Marc eine stationäre medizinische Rehabilitation im Hegau Jugendwerk in Gailingen, einer spezialisierten Fachklinik für junge Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung. Zusammen mit zwölf anderen jungen Leuten, ebenfalls mit Schädelhirntrauma (SHT), bildet er dort ein kleines Team,   begleitet von Neuropsychologen und andere Therapeuten.   Allen geht es darum, neue Wege zu finden, den Horizont zu erweitern.

Anfangs tritt Marc dort recht „dickköpfig“ auf, teilweise auch sich verweigernd. Nach einiger Zeit gelingt es Marc, sich  zu öffnen, schließlich sprudelt er vor Ideen. Er entwickelt für sich ein neues Ziel. Er möchte ein Praktikum im sozialen Bereich machen. Im Betreuten Wohnen für Senioren.

Nach Abstimmung mit Marc und dem Neuropsychologen der Klinik organisiert  InReha kurzfristig ein Praktikum im Betreuten Wohnen für Senioren, ganz in der Nähe der Wohnung des Rehabilitanden.  Zunächst wird ein Praktikum für 2 Wochen vereinbart. Am Ende wird daraus ein halbes Jahr. Marc erfährt Unterstützung durch die Leitung und das Team. Die Senioren nehmen ihn gut auf und nehmen ihn an. Langsam, nach und nach, findet er einen passenden Tagesablauf. Er hilft bei der Essensausgabe, geht mit Bewohnern spazieren,  spielt mit ihnen Spiele, holt Rezepte von Ärzten ab, macht Reinigungsarbeiten, etc. Es erweist sich, dass das tägliche Sprechen für ihn optimal ist. Marc lernt viel Neues und kann nach und nacch weitere Aufgaben übernehmen. Mit zunehmendem Erfolg im Praktikum steigen bei Marc die Zweifel, ob die Aufgabe für ihn auf Dauer das Richtige ist, und er fragt sich, ob er nicht vielleicht doch eine höhere Qualifikation erreichen kann.

Etwa dreieinhalb Jahre nach dem Unfall organisiert InReha für Marc eine Testung zur Berufswahl in Heidelberger Aphasie-Zentrum. Es handelt sich um eine ganz und gar „ehrliche Testung“ seiner Stärken und Schwächen, wie Marc später sagt. Das Ergebnis ist: In praktisch allen Bereichen des Arbeitsmarktes erreicht Marc unterdurchschnittliche Ergebnisse. Er benötigt überall mehr Zeit als gesunde Arbeitnehmer. Marc kann das akzeptieren, und in ihm reift die Entscheidung. Ich möchte auf Dauer im Betreuten Wohnen für Senioren arbeiten. Das kann ich.

Alles braucht seine Zeit

Fast genau vier Jahre nach dem Unfall erhält Marc einen Arbeitsvertrag im Betreuten Wohnen für Senioren. Dieser ist zunächst zu 100 % refinanziert durch den Haftpflichtversicherer. Nach einem Jahr und einer Steigerung der Arbeitsleistung und der Eigenständigkeit von Marc, beteiligt sich der Arbeitgeber zunächst mit 20 %, später dann auch 30 %, an den Gehaltskosten. In Abstimmung mit dem Betrieb organisiert InReha eine sechswöchige Qualifizierung zur „Zusätzlichen Betreuungskraft in Pflegeheimen nach § 43 b SGB XI „.InReha sorgt dabei für sog. Nachteilsausgleiche, so dass Marc die Qualifizierung am Ende erfolgreich beenden kann.

Nach zwei Jahren im Arbeitsverhältnis stellt der Arbeitgeber bei Marc eine weitere Leistungssteigerung fest, so dass er einwilligt, von nun an 50 % der Lohnkosten zu tragen. Zu diesem Zeitpunkt tritt InReha in Abstimmung mit dem Arbeitgeber an das Integrationsamt heran. Dieses übernimmt auf Antrag schließlich die übrigen 50 % der Lohnkosten als Minderleistungsausgleich.

Drei Monate später beendet InReha die Integrationsbegleitung mit der Option einer Wiederaufnahme bei Bedarf. Marc hat seinen Weg gefunden. Er ist beruflich und sozial wieder im Leben angekommen.

Heute, knapp 10 Jahre nach dem Unfall, sagt Marc: „Das Betreute Wohnen für Senioren ist mir ans Herz gewachsen. Ich habe eine neue Aufgabe gefunden. Das Team ist toll, die Aufgaben abwechslungsreich, jeder Tag ist anders. Die Bewohner kennen und schätzen mich. Jeder weiß, dass ich mich bemühe, gut und gründlich zu arbeiten. Mit diesem Feedback macht es einfach Spaßzu arbeiten und zu leben. Ich lerne neue Themen kennen und erweitere meinen Horizont. Auch außerhalb der Arbeit habe ich schöne Hobbies gefunden.“

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