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Rehamanagement aktuell 21.06 2018

In diesem Infobrief finden Sie folgende Themen:

• Ankündigung:

EDV Training für Menschen mit Handicap

• Nachricht:

Neues DRV Konzept zum Fallmanagement bei LTA

• Beitrag:

Der Pflegevertrag – Ein Diskurs

• Wissenschaft:

Früherkennung bei Schädel-Hirn-Trauma möglich?


 

Kostenloses EDV Training für Menschen mit Handicap
Kooperation des Hamburger Integrationsamt mit der Project Alliance GmbH

Seit Juni 2018 bietet die Project Alliance GmbH in Hamburg spezielle EDV- Schulungen für schwerbehinderte Menschen an. Unter bestimmten Voraussetzungen ist dabei die Teilnahme aufgrund einer Förderung des Integrationsamtes Hamburg kostenlos. Zielgruppe des Angebotes sind Blinde, Sehbehinderte, Hörbehinderte und Gehörlose sowie motorisch-, psychisch- und mehrfachbehinderte Arbeitnehmer.

Leitgedanke dieses Unterstützungsangebots ist die Überzeugung, dass Menschen mit schweren Einschränkungen mit speziellen Hilfsmitteln gut in betriebliche EDV-Umgebungen integriert werden und einen guten Job machen. Für Menschen mit Handicap sind spezielle Schulungen am Arbeitsplatz häufig die beste Lösung.

Mehr Informationen beim Hamburger Integrationsamt

Der Schulungsanbieter ist die Project Alliance GmbH aus Ratingen. Dessen Angebot ist nicht auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus Hamburg beschränkt. Das Unternehmen schult und trainiert bundesweit Menschen mit Handicap an Ihrem PC Arbeitsplatz. Stets mit dem großen Ziel: Barrierefreiheit in der IT. Das Unternehmen arbeitet mit allen Kostenträgern zusammen und ist nicht nur für Kooperationen und Projekte, sondern auch für Einzelfall-Lösungen offen.

Mehr Informationen zum Schulungsanbieter


 

Deutsche Rentenversicherung in Bewegung
Neues Konzept zum Fallmanagement bei Leistungen zur Teilhabe

Das Institut für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm hat im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ein Fallmanagement-Konzept im Rahmen von Leistungen zur Teilhabe entwickelt. Ziel ist die Umsetzbarkeit in der gesamten Rentenversicherung.

Die DRV beurteilt die bisher eingesetzten Ansätze zum Case- bzw. Fallmanagement in ihrer Reichweite und ihrem Ressourceneinsatz als sehr unterschiedlich. Das Forschungsprojekt wurde deshalb damit beauftragt, auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Expertise ein Fallmanagement-Konzept für die gesamte DRV zu entwickeln.

Fallmanagement bietet einen Rahmen für die weitere Begleitung der betroffenen Versicherten und die notwendige Koordination der Maßnahmen. Das Fallmanagement wird in fünf Phasen gegliedert:

  • Fallidentifikation
  • Bedarfsermittlung
  • Reha-Planung
  • Überwachung und Steuerung der Leistungen
  • Abschluss und Evaluation des Einzelfalls

Bei Versicherten mit komplexen Problemlagen können zur Erreichung des Ziels der beruflichen (Wieder-)Eingliederung eine Unterstützung im Rahmen des Fallmanagements hilfreich sein, so die Autorinnen und Autoren. Das Fallmanagement biete eine intensive persönliche Begleitung des Versicherten sowie eine Koordination der notwendigen Maßnahmen. Darüber hinaus beziehe Fallmanagement auch die Strukturen und Prozesse einer Organisation sowie die Arbeit im interinstitutionellen Netzwerk mit ein und unterstütze damit das Vorgehen im Einzelfall.

Zur Projektseite

Zum Fallmanagement-Konzept

Zum Abschlussbericht

Quelle: "reha-recht.de/Newsletter" des Diskussionsforums Rehabilitations- und Teilhaberecht vom 17. Mai 2018)


 

"Der Pflegevertrag, den keiner will"
Vor dem Auftrag an einen Pflegedienst sollte einiges beachtet werden. Ein Diskurs der Leipziger Zeitung

Es gehört zu den Situationen, auf die sich kaum jemand vorbereitet: Ein Pflegedienst muss beauftragt werden – meist dringend. Doch die Verträge mit den Helfern verdienen einen näheren Blick. Die Verbraucherzentrale weist auf mehrere Punkte hin, die beachtet werden sollten:

Zusatzkosten
Wer mit einem Pflegegrad eingestuft ist, bekommt auf Antrag Geld von der Pflegekasse. Für einen Dienst, der ins Haus kommt, müssen Verbraucher aber oft noch etwas dazu zahlen. "Wer einen Vertrag mit einem ambulanten Pflegedienst abschließt, sollte vor allem darauf achten, welche Kosten er zusätzlich privat zahlen muss". Die gewünschten Pflegeleistungen können höher sein, als der Anspruch bei der Kasse.

Preiserhöhungen
Einige Pflegedienste legen in ihren Verträgen fest, dass sie die Investitionskosten immer dann einseitig erhöhen dürfen, wenn die Kosten für die Pflege steigen. "Diese Kopplung der Kosten im Zusammenhang mit einem einseitigen Preiserhöhungsrecht ist nicht rechtens". Unternehmen dürften zwar tatsächlich gestiegene Pflegekosten weitergeben. Die Investitionskosten dürfe der Dienst dann jedoch nicht automatisch auch anheben.

Leistungsbeschreibungen
Oft fehlen in den schriftlichen Pflegeverträgen klare Leistungsbeschreibungen. Die Bezeichnungen "Grundpflege" oder "Pflegeleistungen nach Paragraf 36 SGB XI" seien zu ungenau. Einige Anbieter listeten zwar sogenannte Leistungskomplexe wie "kleine Körperpflege" auf. Welche Einzelleistungen sich dahinter verbergen, beschreiben die Dienste jedoch nicht. Außerdem schreibe kaum ein Anbieter die Leistungszeiten in den Vertrag. Verbraucher sollten zudem vertraglich festhalten, in welchem zeitlichen Rahmen sie einen Pflegeeinsatz kostenfrei absagen können. "Üblich sind 24 Stunden oder bis 12 Uhr am Vortag". Darüber hinaus sollten Verbraucher schriftlich vereinbaren, dass der Vertrag ruht, wenn der Pflegebedürftige ins Krankenhaus kommt.

Kostenvoranschlag
"Ein besonderes Augenmerk sollten Verbraucher auf den Kostenvoranschlag legen". Ein guter Pflegevertrag regelt, wann eine sogenannte "wesentliche Änderung" eintritt und der Anbieter einen neuen Voranschlag erstellen muss. Eine weitere Frage sei, ob der Dienst weiter leistet, wenn die Kasse eine ärztlich verordnete Leistung ablehnt. "Wichtig ist, dass der Pflegedienst nicht einfach auf Kosten des Verbrauchers weiterleistet". Problematisch sei zudem, dass der Pflegedienst für manche Leistungen, wie zum Beispiel Lebensmittel einkaufen, bei der Abrechnung mit der Pflegeversicherung andere Preise in Rechnung stelle als bei privater Beauftragung durch den Kunden.

Haftung
Wer haftet in welcher Höhe, wenn der Pflegedienst den Wohnungsschlüssel verliert und ein neues Schloss eingebaut werden muss? Was ist mit Schäden in der Wohnung? Auch auf diese Fragen sollten Verbraucher achten, so Hegemann. So kann die Haftung des Pflegedienstes für leichte Fahrlässigkeit und Vorsatz bei Sachschäden durchaus eingeschränkt werden. Bei körperlichen Schäden des Kunden gilt das jedoch nicht.

Vertragsabschluss
Vertragspartner sind in der Regel der Pflegebedürftige und der Pflegedienst. "Dies muss sich aus dem Vertrag auch so ergeben", sagt Hegemann. Sollte ein gesetzlicher Betreuer oder Bevollmächtigter den Vertrag unterschreiben, muss er dies durch den Zusatz "in Vertretung" deutlich machen. Wenn der Vertrag auf Anlagen verweist, sollten diese dem Kunden ausgehändigt werden.

Kündigung
Verbraucher sollten darauf achten, mit welcher Frist der Pflegedienst kündigen darf. "Hier dürften zwei bis vier Wochen angemessen sein. "Pflegebedürftige könnten ihren Vertrag selbst jederzeit und ohne Angaben von Gründen fristlos kündigen. Das sei gesetzlich geregelt, doch Pflegedienste schrieben häufig eine längere Frist für die Kündigung durch den Verbraucher in die Verträge.

Um die Qualität der Pflegeverträge zu verbessern, stellt etwa der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen seinen Mitgliedseinrichtungen einen Mustervertrag zur Verfügung. Dieser wird einem Sprecher zufolge nach rechtlichen Neuerungen und dem Feedback der Pflegedienste regelmäßig optimiert. Besonders wichtig sei es, dass der Kunde die vertraglichen Verpflichtungen auch verstehe. Deshalb müsse der Dienst dem Kunden den Vertrag auch mündlich erklären und alle Fragen dazu beantworten.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 18 Januar 2018


 

Früherkennung bei Schädel-Hirn-Trauma möglich?
Neurochirurgen untersuchen den prognostischen Nutzen von Proteomanalysen beim Schädel-Hirn-Trauma

Schwerwiegende Krankheitsverläufe nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma (SHT) frühzeitig zu erkennen: dieses Ziel verfolgt eine Arbeitsgruppe von Neurochirurgen der BG Kliniken Frankfurt, Halle und Murnau unter Federführung des BG Universitätsklinikums Bergmannsheil in Kooperation mit dem Medizinischen Proteom-Center (MPC) der Ruhr-Universität Bochum. Im Rahmen dieser Studie wird untersucht, ob sich auf der Basis von sogenannten Proteomanalysen an Hirngewebe, Serum und Liquor von Betroffenen bislang unbekannte Biomarker identifizieren lassen, die zur Früherkennung von sekundär auftretenden Hirnschäden genutzt werden können. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) fördert diese Studie zwei Jahre mit über 400.000 Euro.

Bei Patienten mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma kommt es häufig neben der primären, durch den Unfall hervorgerufenen Hirnschädigung zu gravierenden sekundären Folgeschäden. Diese treten in der Regel zwischen zwei bis 14 Tage nach der Primärschädigung auf, zum Beispiel in Form einer Flüssigkeitseinlagerung im Gehirn (malignes Hirnödem), einer Sauerstoff-Unterversorgung von Teilen des Gehirns (Hirninfarkt) oder des gesamten Gehirns (hypoxischer Hirnschaden). Diese sekundären Schäden können für die Patienten mitunter lebensgefährliche Auswirkungen haben. Im Gegensatz zu den Primärschäden könnten die Sekundärschäden jedoch durch zielgenaue vorbeugende Therapiemaßnahmen positiv beeinflusst werden. Eine frühzeitige und zuverlässige Diagnostik ist daher unerlässlich. Bislang stehen jedoch keine laborchemischen oder radiologischen Parameter oder Biomarker zur Verfügung, die zu einer frühzeitigen Identifizierung solcher Krankheitsverläufe beitragen können.

Einen neuen Weg könnten sogenannte biologische Proteomanalysen aufzeigen. Mit ihr lassen sich Proteine und Peptide in Körpergewebe und -flüssigkeiten differenziert darstellen. Im Rahmen des Projektes werden betroffenen Patienten geringe Proben aus dem Hirngewebe, Serum und Liquor während der ersten Tage nach Auftreten des Schädel-Hirn-Traumas entnommen. Diese Proben werden anschließend im Forschungslabor des Bergmannsheil und im Medizinischen Proteom-Center der Ruhr-Universität Bochum analysiert. "Wenn es uns gelingt, auf diese Weise Proteinmuster zu finden, die spezifisch mit Krankheitsbildern des sekundären Hirnschadens verknüpft sind, so könnten wir damit eine neue Tür für die notwendige Früherkennung aufstoßen", sagt Projektleiter Prof. Dr. Ramón Martínez-Olivera, Leitender Arzt der Abteilung BG Neurochirurgie und Neurotraumatologie am Bergmannsheil.

Bei Patienten, bei denen im Krankheitsverlauf ein Sekundärschaden auftritt, ließen sich somit durch eine frühzeitige Identifikation bereits in der Akutphase geeignete therapeutische Maßnahmen einleiten oder gezielt neue Behandlungsansätze entwickeln. So ließe sich insbesondere das Absterben von Nervenzellen durch neuroprotektive Maßnahmen eindämmen. Auch sollen hierdurch die Patienten frühzeitig erkannt werden, die längerfristig von intensiveren Rehabilitationsmaßnahmen profitieren könnten. Hierdurch wäre dann mit einer schnelleren funktionellen Genesung und einer frühzeitigeren beruflichen und sozialen Rehabilitation zu rechnen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Ramón Martínez-Olivera
Leitender Arzt, Abteilung BG Neurochirurgie und Neurotraumatologie
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum
Tel.: 0234 / 302-3065 (Sekretariat),
E-Mail: christine.wieczorek@bergmannsheil.de

Quelle: DGUV Newsletter, Mai 2018 / newsletter@dguv.de





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